Ein Grund zur Sorge? (Baupraxis)

matzen @, Thu, 27.10.2011, 12:43 (vor 4054 Tagen)

Was sagt ihr dazu?

Kasperski: Turnhallen sind stabiler als Stadien

Martin Vogel ⌂ @, Dortmund / Bochum, Fri, 28.10.2011, 08:09 (vor 4053 Tagen) @ matzen

Kam gerade rein: Ein [s]Professor[/s] Privatdozent im Fachbereich Bauingenieurwesen einer Bochumer Hochschule hat es untersucht – am schönsten schwingt das Nürnberger Stadion, am wenigsten eine ebenfalls untersuchte Turnhalle.

http://www.rp-online.de/niederrhein-sued/moenchengladbach/nachrichten/huepfen...

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Dynamik ist ein Problem

mh-ing, Sat, 29.10.2011, 18:59 (vor 4052 Tagen) @ Martin Vogel

Kam gerade rein: Ein [s]Professor[/s]
Privatdozent
im Fachbereich Bauingenieurwesen einer Bochumer Hochschule hat es
untersucht – am schönsten schwingt das Nürnberger Stadion, am wenigsten
eine ebenfalls untersuchte Turnhalle.

http://www.rp-online.de/niederrhein-sued/moenchengladbach/nachrichten/huepfen...

Durch den Zugriff auf meine Büroseite habe ich die Diskussion hier gesehen. Zum einen:
Die Tragwerksplanung hat das Büro Nowak Nürnberg/München erstellt. Geprüft wurde die Sache vom der Stadt Nürnberg selbst.
Zum anderen: Ich war direkt nach dem Studium als Statiker für die Tribünen BAII bis IV zuständig. Welcher Abschnitt hier nun diese große Verformung aufweist, kann ich nicht sagen, da ich selbst nur einmal im Stadion war. Wenn es die Tribünen beiderseits der alten Haupttribüne sind, dann sind es die Bauabschnitte II und IV.

Die starken Schwingungen der Tribünen sind im Grunde nicht zu verwundern. Der Kragarm ist zum Feld relativ lang. Zudem lagert das hintere Feldauflager auf einem Querträger auf, der über 3 Tribünenfelder reicht. Soweit ich die Daten noch im Kopf habe, sind das am hinteren Auflager gut 24m. Das System ist also bestens geeignet mit einer dynamischen Last in extreme Schwingungen versetzt zu werden.

Prinzpiell ist die Statik nicht für dynamische Lasten berechnet worden. Die Konstruktion ist rein mit einer statischen Belastung von 7,5/5,0 (je nach Sitz/Stehplätzen) ausgelegt. Die Querschnitte sind wirtschaftlich, d.h. es wurde bis an die Grenzen bewehrt und ausgenutzt.
Nach Abschluss der Planung kam die Frage nach Rockkonzerten usw. auf und ich bekam die Anweisung, die Träger usw. auf Dynamik zu untersuchen (von Menschen angeregte Schwingungen). Die Ergebnisse waren alarmieren und zeigten, dass keines der Bauteile, Konsolen usw. dem Stand hält. Jedoch verließ ich das Büro zu diesem Zeitpunkt und habe die Sache nicht mehr verfolgen können. Die damaligen Programme waren hinsichtlich Dynamik begrenzt, so dass ich die damaligen Ergebnisse nicht genau genug halte.
Nach meiner Einschätzung ist aber das System für dymnamische Lasten nicht ausreichend. Die freitragenden Bauteile führen zu einem Mitschwingen der Konstruktion. Das führt an den Kragarmen der Tribünenträger als auch am Querträger zwischen den Pylonen zu viel größeren Beanspruchungen, als die rein statischen Lasten. Hinten liegt der Träger nur auf einer kleinen Konsole auf!! Das Auflager auf der Stütze unter dem Tribünenträger ist mit Halterungen, die für diese ständigen Verformungen nicht bemessen sind. An dem hinteren Querträger gibt es infolge der Gleit/Festfugen-Konstruktion Stahlklauen, die mit Röhrchen im Beton vergossen wurden. Diese sind überhaupt nicht für Dynamik belastbar, es war ohnehin kaum möglich, das vom Prüfer genehmigt zu bekommen. Gedanken über die Nachbesserung solcher Auflager, das Wechseln dieser Gleitlager (Lebensdauer <20 Jahre teils) hat man sich damals nicht gemacht und ich war als Anfänger hier nicht informiert genug.

Heute, mit nun fast 25 Jahren Berufserfahrung würde ich so ein Stadion niemals so bauen lassen und ausführen. Es weist massive Mängel in den Details auf, die meines Erachtens auch kaum zu beheben sind.

Ich würde daher nicht in das Fußballstadion gehen (was ich als Nichtfußballer ohnehin nicht tue).

Ich habe mehrfach Behörden usw. auf das Thema hingewiesen, jedoch ist bislang nichts erfolgt, noch nicht einmal eine Rückmeldung. Auch die Nürnberger Nachrichten schrieb ich an, auch ohne Rückmeldung.

Ein anderes Nürnberger Büro hat damals für die WM irgendwelche Sachen gerechnet und es wurde behauptet, dass alles passt. Man wird sehen, was stimmt. Spätestens, wenn Risse an Konsolen und Trägern sichtbar werden oder gar Betonbröckelchen herum liegen, würde ich das Weite schnell suchen.

Eigenfrequenz der Südtribüne im Westfalenstadion wird erhöht

Martin Vogel ⌂ @, Dortmund / Bochum, Sat, 05.11.2011, 22:21 (vor 4045 Tagen) @ matzen

Im Westfalenstadion wird im nächsten Frühjahr die Südtribüne umgebaut. Die Eigenfrequenz soll von derzeit fünf auf neun bis zehn Hertz angehoben werden, um einen ausreichend großen Sicherheitsabstand zur Anregefrequenz der immer schneller und koordinierter hüpfenden Dortmunder Fans zu haben.

Quelle: RuhrNachrichten

Wenn ein Bauteil mit seiner Eigenfrequenz angeregt wird, können die Amplituden der Schwingung so stark anwachsen, dass das Bauteil versagt. In einem Fußballstadion wären zahlreiche Tote die Folge.

Nicht immer sind hüpfende Fans schuld, wenn ein Bauteil in Schwingungen gerät. Manchmal liegt die Ursache auch in einem miserablen Design:

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Gangnam Style: Durchbiegung eines Parkhausdachs

Martin Vogel ⌂ @, Dortmund / Bochum, Mon, 11.02.2013, 17:53 (vor 3581 Tagen) @ matzen

Wie gut, dass Spannbeton so elastisch ist …


Party auf Parkhausdach

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Huii

matzen @, Tue, 12.02.2013, 08:25 (vor 3580 Tagen) @ Martin Vogel

Wie gut, dass Spannbeton so elastisch ist …


Party auf Parkhausdach

Huuiii, das ist aber doch schon recht viel Bewegung.
Was sagen die Anderen dazu?

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