Walle! Walle manche Strecke, dass, zum Zwecke, Erdöl fließe … (Allgemeines)

Martin Vogel ⌂ @, Dortmund / Bochum, Sonntag, 30.05.2010, 13:56 (vor 3424 Tagen)

Hat eigentlich keiner der mitlesenden Geologen eine Idee, wie man bei 150 Bar Außenwasserdruck ein Rohr mit 800 Bar Innendruck abdichtet?

Operation "Top Kill" ist gescheitert

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Atombombe oder....

Maik Herber, Sonntag, 30.05.2010, 16:44 (vor 3424 Tagen) @ Martin Vogel

diesem Herrn einen Taucheranzug geben.

http://www.redadair.com/

Video vom Einsatz der Atombombe beim Gasunglück 1966 in Usbekistan

Martin Vogel ⌂ @, Dortmund / Bochum, Sonntag, 30.05.2010, 18:47 (vor 3424 Tagen) @ Maik Herber

Der 2004 verstorbene Paul "Red" Adair hat, glaube ich, nie Ölaustritte gestoppt, sondern immer nur Öl- und Gasbrände gelöscht.

Die Verwendung von Atombomben gegen ungewollte Öl- oder Gasaustritte soll laut Komsomolskaja Prawda zwischen 1966 und 1979 in vier von fünf Fällen erfolgreich gewesen sein.

Der erste Einsatz einer Atombombe zu Umweltschutzzwecken erfolgte demnach am 30. September 1966 in Urt-Bulak (auch: Urtabulak, [s]60 km südlich[/s] 80 km südöstlich von Buchara, Usbekistan). Damals wurde in [s]6000[/s] 1500 Metern Tiefe eine 30-Kilotonnen-Bombe gezündet, um eine brennende Gas- und Ölquelle zu verstopfen. Berichten zufolge wurde dieses letzte verzweifelte Mittel gewählt, weil die Quelle drei Jahre lang nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Laut dem italienischen Nachrichtenmagazin Corriere Della Sera strömten dort seit Dezember 1963 unkontrolliert 1,5 Millionen Kubikmeter [s]Rohöl[/s] Erdgas(!) pro Tag aus. [Nachtrag: wie man an den Korrekturen im letzten Absatz sieht, hat es das Magazin nicht so mit Zahlen. Auch die 1,5·10⁶m³/d widersprechen anderen Textquellen]

Es gibt einen Dokumentarfilm dazu, der leider bei Youtube einen ungeschickt gewählten Titel und ein völlig unpassendes Titelbild trägt:


Kann jemand Russisch? Außer "Dosimeter" habe ich nicht viel verstanden.

In Charkiw ging die Maßnahme 1972 schief. Aus ungeklärter Ursache explodierte der nukleare 4-Kilotonnen-Sprengsatz nicht in 2000 Metern Tiefe, sondern an der Oberfläche und erzeugte dort einen Atompilz.

Ob Atombomben überhaupt für Tiefseebohrungen angewendet werden können, ist zudem wohl noch ziemlich unklar. Damit es zu einer Gesteinsverschiebung kommen kann, müsste auch zuerst ein kilometertiefer Sprengschacht angelegt werden. Zudem kenne ich keine Atombombe, die bei 150 Bar (oder je nach Schachttiefe auch bis zu 400 Bar) Außendruck noch funktioniert. Falls der Sprengsatz gezündet werden kann, würden möglicherweise auch Bohrlöcher der näheren Umgebung in Mitleidenschaft gezogen, sodass nicht einmal sicher ist, ob man mit dieser Maßnahme nicht für einen noch größeren Ölaustritt sorgt.

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einwenig kann ich...........

Maik Herber, Sonntag, 30.05.2010, 20:18 (vor 3424 Tagen) @ Martin Vogel

Der 2004 verstorbene Paul "Red" Adair hat, glaube ich, nie Ölaustritte
gestoppt, sondern immer nur Öl- und Gasbrände gelöscht.

Naja aber er hat ja Sprengstoff benutzt und nicht versucht irgendwas mit Golfbällen zu beschiesen.

Kann jemand Russisch? Außer "Dosimeter" habe ich nicht viel verstanden.

Aber Sie haben ja schon etwas verstanden.

Also ich bin noch am lernen aber im Video wurde der Ablauf beschrieben, für eine simultan Übersetztung reicht es aber nicht.

Also 10.000.000 m² gas sind am tag verbrannt worden, (Wieso m² keine Ahnung)
Dann wurde in 1500m ein Loch für die Atombombe gebohrt. Der Hinweis, wenn die Atombombe gezundet wird stellt es kein Sicherheitsrisiko für die menschen da fand ich zum schmunzeln. dann wurde ein Sicherheitsradius vom 5km gebildet und die Bombe gezündet. Die Erde hatte nur gebebt und ist extrem heis geworden laut des netten komentators gab es in der luft und an der Oberfläche keine messbare radioaktive strahlung und die Bohrungsstellungen waren wieder unter Kontrolle.


Also wie gesagt bin noch am lernen

Bericht des amerikanischen Energieministeriums zum friedlichen Einsatz von Atombomben

Martin Vogel ⌂ @, Dortmund / Bochum, Montag, 31.05.2010, 23:19 (vor 3423 Tagen) @ Maik Herber

Bei Sekunde 19 ist die Stelle im Video, wo anscheinend etwas von … Millionen Kubikmeter Gas gesagt wird. Es klingt wie "ми>>ионов кубич метров газа".

Die Zahl 10 Millionen scheint mir aber viel zu hoch gegriffen zu sein. Laut diesem Dokument des amerikanischen Energieministeriums (Seite 34 f.), in dem sogar von 12 Millionen Kubikmetern Gas pro Tag die Rede ist, handelte es sich um eine 8-Zoll-Bohrung, also einen Bohrkanal von rund 20 cm Durchmesser. Teilt man 10 Millionen Kubikmeter pro Tag durch die 86400 Sekunden eines Tages und die Bohrkanalfläche von 0,0314 Quadratmetern, so erhält man eine Austrittsgeschwindigkeit von 3685 m/s oder ungefähr Mach 11. Bei 1,5 Millionen Kubikmetern pro Tag (wie in der italienischen Meldung angegeben) reduziert sich das auf immer noch imposante 553 Meter pro Sekunde – 1,7-fache Schallgeschwindigkeit. Wer hat denn in Fluidmechanik aufgepasst und kann die wahrscheinlichste Austrittsgeschwindigkeit berechnen?

Das von M. D. Nordyke im September 2000 herausgegebene Dokument mit dem Titel "Das Sowjetische Programm zur friedlichen Nutzung von Kernexplosionen" scheint die zuverlässigste Quelle zu dem Thema zu sein. Dort wird die Maßnahme wie folgt beschrieben:

"Kurz nach der Einführung des sowjetischen PNE-Programms (peaceful nuclear explosions = Friedliche Kernexplosionen) wurde den Leitern des Programms ein dringliches industrielles Problem angetragen. Könnte eine unterirdische Kernexplosion dazu verwendet werden, einen seit drei Jahren wütenden Gasquellenbrand zu löschen?

Am 1. Dezember 1963 hatte man beim Niederbringen der Bohrung Nr. 11 im Urtabulak-Gasfeld im südlichen Usbekistan, etwa 80 Kilometer südöstlich von Buchara, bei einer Tiefe von 2450m die Kontrolle über die Bohrung verloren.

Dies führte zum Entweichen von mehr als 12 Millionen m³ Gas pro Tag durch ein 8-Zoll-Rohr. Das ist genug, um eine große Stadt wie St. Petersburg zu versorgen. Der Formationsdruck (Gasdruck im Reservoir) betrug etwa 270 bis 300 Bar.

Während der folgenden drei Jahre wurden viele Versuche mit unterschiedlichen Techniken unternommen, um die Quelle an der Oberfläche zu verschließen oder die Strömung zu vermindern und die Flammen zu löschen. Da aber die letzten 1000 m des Bohrlochs noch nicht zementiert waren, führten diese Unternehmungen zur Ausbreitung des Gases in nahegelegene Bohrungen und zu ernsthaften Personenschutzproblemen wegen des hohen H₂S-Gehaltes des Gases.

Unterirdische Maßnahmen wurden dadurch behindert, dass der untere Abschnitt des Lochs zum Zeitpunkt des Kontrollverlustes noch nicht vermessen war.

Schließlich wurde im Herbst 1966 der Entschluss gefasst, die Bohrung durch eine nukleare Sprengung zu verschließen. Man glaubte, die Kernexplosion könne je nach Sprengkraft jedes Loch im Umkreis von 25 bis 50 Metern um den Explosionsherd herum zusammenquetschen.

[youtube-r]ord-AyaFLaA[/youtube]Zwei 44,5-Zentimeter-Schrägbohrungen (Loch 1c und 2c) wurden gleichzeitig niedergebracht. Sie sollten in einer Tiefe von 1500 Metern inmitten einer 200 Meter mächtigen Lehmschicht so dicht wie möglich an Bohrung Nr. 11 herankommen.

Diese Tiefe hielt man für ausreichend, um dem Druck von 300 Atmosphären aus der Gasformation darunter entgegenwirken zu können.

Eine Reihe akustischer und elektromagnetischer Verfahren wurde bei 1450 Metern Bohrtiefe angewendet, um die Entfernung zwischen Loch Nr. 11 und dem geneigten Sprengkörperaufnahmeloch zu schätzen. Die letzte Schätzung ergab einen Minimalabstand von 35 ± 10 Metern.

Die Sprengkammer in Loch 1c wurde gekühlt, um eine Temperatur zu erreichen, der die Sprengeinrichtung widerstehen konnte. Dieser speziell entwickelte 30-Kilotonnen-Nuklearsprengkörper aus dem Atomwaffenlabor Arzamas wurde in Loch 1c eingebracht und verpfropft. Er wurde am 30. September 1966 gezündet. Dreiundzwanzig Sekunden später erlosch die Flamme und das Bohrloch war versiegelt."

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