Senat verabschiedet Studienbeiträge (HS Bochum)

Martin Vogel ⌂ @, Dortmund / Bochum, Montag, 24.04.2006, 17:04 (vor 5261 Tagen)

Der Senat der FH Bochum hat sich heute mit nur einer Gegenstimme für die Einführung von Studienbeiträgen zum Sommersemester 2007 ausgesprochen. Von den fünf studentischen Senatsmitgliedern waren vier nicht zu der wichtigen Sitzung erschienen.

--
Dipl.-Ing. Martin Vogel
Leiter des Bauforums

Heute kostenlos: Pythonbuch (PDF)

Senat verabschiedet Studienbeiträge

Christoph Heitfeld, Hagen i.W., Montag, 24.04.2006, 19:23 (vor 5261 Tagen) @ Martin Vogel

Der Senat der FH Bochum hat sich heute mit nur einer Gegenstimme für die
Einführung von Studienbeiträgen zum Sommersemester 2007 ausgesprochen. Von
den fünf studentischen Senatsmitgliedern waren vier nicht zu der wichtigen
Sitzung erschienen.

Hmm, davon ab, dass das für die Studis ein schwaches Bild abgibt: hätten denn fünf Gegenstimmen etwas bewirkt? Nach meinen Erfahrungen mit der Hochschulpolitik bzw. dem Mitbestimmungspotential der Studentenschaft wohl eher nicht. Und - ohne die Betreffenden in Schutz nehmen zu wollen - kann aus diesem Umstand eventuell ein kleines bißchen Verständnis für das offensichtliche Desinteresse entstehen? Wobei dann natürlich immer noch die Frage offenstünde, weshalb die Studenten überhaupt Mitglieder im Senat geworden sind...

MfG

Christoph Heitfeld

Flintenweitwurf

Martin Vogel ⌂ @, Dortmund / Bochum, Montag, 24.04.2006, 21:13 (vor 5261 Tagen) @ Christoph Heitfeld

Ging es wirklich nur darum? Wenn sich immer all jene aus Entscheidungen heraushielten, die sich einer absoluten Mehrheit nicht sicher sind, würde das viele Diskussionen sicher erheblich verkürzen - ich kann so ein Demokratieverständnis allerdings nicht so richtig nachvollziehen. Es geht doch nicht immer nur um reine Ja-/Nein-Entscheidungen, sondern oft auch darum, die eigene Meinung zu vertreten und Argumente rechtzeitig in demokratische Prozesse einzubringen.

Die nächste Möglichkeit, eine wichtige Chance zu verpassen, besteht bei der Festlegung der Verteilungskriterien. Auch hier können Studierende nur dann mitbestimmen, wenn sie nicht wieder der Gremienarbeit fernbleiben. Interessenten sollten sich an den AStA wenden, der bereits viele Vorschläge gesammelt hat.

--
Dipl.-Ing. Martin Vogel
Leiter des Bauforums

Heute kostenlos: Pythonbuch (PDF)

Flintenweitwurf

Christoph Heitfeld, Hagen i.W., Montag, 24.04.2006, 22:47 (vor 5261 Tagen) @ Martin Vogel

Ging es wirklich nur darum? Wenn sich immer all jene aus Entscheidungen
heraushielten, die sich einer absoluten Mehrheit nicht sicher sind

Hmm, mit Verlaub, Herr Vogel, das ist etwas euphemistisch ausgedrückt: sich "einer absoluten Mehrheit" nicht sicher sein - in diese Verlegenheit kann doch eigentlich nur eine Fraktion gelegentlich mal kommen. Oder wie werten Sie es, wenn die Gruppe der Professoren (12 Stimmen) bei gleichen Voraussetzungen (vollzählige Anwesenheit, Konsens innerhalb der jeweiligen Fraktionen) trotzdem die drei anderen Gruppen (insgesamt 11 Stimmen) in die Tasche stecken kann? Von absoluter Mehrheit kann der Student doch nur träumen, wenn es um ein Thema geht, bei dem eh alle an einem Strang ziehen oder wenn er neben den WiMas und den Mas auch noch mindestens einen Professor auf seiner Seite hat. Wie wahrscheinlich ist das, besonders beim gegebenen Thema?

das viele Diskussionen sicher erheblich verkürzen - ich kann so ein
Demokratieverständnis allerdings nicht so richtig nachvollziehen.

Noch einmal zur Verdeutlichung: ich kann es ebenfalls nicht verstehen, dass Senats-Mitglieder ihr Stimmrecht nicht ausüben. Jedoch habe ich eine mögliche Begründung für die doch extrem hohe Abwesenheit in den Raum stellen wollen.

doch nicht immer nur um reine Ja-/Nein-Entscheidungen, sondern oft auch
darum, die eigene Meinung zu vertreten und Argumente rechtzeitig in
demokratische Prozesse einzubringen.

Vielleicht ist es ja so, dass die demokratischen Prozesse hierzulande (und ich beziehe mich hier ausdrücklich nicht auf die FH Bochum, sondern auf das politische Umfeld allgemein) eben nur noch selten ergebnisorientiert ablaufen, sondern viel mehr ideologische-selbstdarstellerische-machterhaltende-Schauprozesse sind?

Die nächste Möglichkeit, eine wichtige Chance zu verpassen, besteht bei
der Festlegung der Verteilungskriterien. Auch hier können Studierende nur
dann mitbestimmen, wenn sie nicht wieder der Gremienarbeit fernbleiben.

Zustimmung - trotz aller "Politik"verdrossenheit.

MfG und Gute Nacht - mein mageres Einkommen will morgen verdient werden ;-)!

Christoph Heitfeld

Hellseher und zahlende Kunden

Martin Vogel ⌂ @, Dortmund / Bochum, Dienstag, 25.04.2006, 10:28 (vor 5260 Tagen) @ Christoph Heitfeld

Wie wahrscheinlich ist das, besonders beim
gegebenen Thema?

Es ist verlockend, anzunehmen, dass alle Studenten gegen Studiengebühren sein müssten und alle anderen dagegen. Tatsächlich jedoch sind die Mittel zweckgebunden zur Verbesserung der Studienbedingungen einzusetzen, kommen also (von Verlusten durch Verwaltung und Ausfallfonds abgesehen) den Zahlenden (und den hunderten von den Beitragszahlungen ausgenommenen Studierenden) zugute. Es kamen gestern bereits Ideen seitens der Studierenden auf, von dem Geld beispielsweise Modellbaumaterial und Zeichenkarton anzuschaffen, damit sich auch Architekturstudierende ohne starken finanziellen Hintergrund ihre teuren Modelle und Präsentationsgrafiken leisten können. Auf der anderen Seite muss sich das Personal der Hochschule nun mit der neuen Situation abfinden, dass die in den letzten Jahren unermüdlich als "Kunden" bezeichneten Studierenden plötzlich "zahlende Kunden" werden, die ganz naturgemäß-psychologisch viel eher bereit sein werden, Leistungen einzufordern. An anderen Hochschulen haben solche Bedenken zu weit weniger einstimmigen Entscheidungen in dieser Frage geführt. Dem Rektor der Uni Bielefeld, möglicherweise weniger hellseherisch begabt als unsere studentischen Senatsmitglieder, hat seine Sorge um das Ergebnis (besser gesagt: das, was er angeblich gegen die Zerstreuung dieser Sorge unternommen hat) ziemlich üble Presse eingebracht.

--
Dipl.-Ing. Martin Vogel
Leiter des Bauforums

Heute kostenlos: Pythonbuch (PDF)

Hellseher und zahlende Kunden

Christoph Heitfeld, Hagen i.W., Mittwoch, 26.04.2006, 00:13 (vor 5260 Tagen) @ Martin Vogel

Guten Abend Herr Vogel!

Ursprünglich drehte ich sich ja hier um die mangelnde Beteiligung der studentische Senatsmitglieder bei einer wichtigen Entscheidung und einen Interpretationsversuch (keinen Versuch der Entschuldigung, wohlgemerkt) meinerseits, wie es dazu gekommen sein könnte. Leider sind Sie, immerhin ebenfalls Senatsmitglied und damit viel tiefer in der Materie als ich, nicht auf die von mir erwähnten Mehrheitsverhältnisse eingegangen. Wie sieht es denn in der Realität aus? Hätten die fünf Studenten denn überhaupt eine Chance gehabt, das Abstimmungsergebnis zu beeinflussen, wenn sie einstimmig und überzeugt aufgetreten wären? Ich habe offen zugegeben absolut keine Ahnung, wie die Verhältnisse im Senat aussehen, da ich mich in meiner Zeit an der FH nicht hochschulpolitisch betätigt habe (das hatte ich bereits an der Unido hinter mir). Helfen Sie mir!

Es ist verlockend, anzunehmen, dass alle Studenten gegen Studiengebühren
sein müssten und alle anderen dagegen

Studiengebühren sind, sofern sie richtig eingesetzt werden und die Finanzierung für die Studenten nicht zum unkalkulierbaren Wagnis wird, sicherlich überdenkenswert. Der Teufel steckt aber im Detail. Wie lange wird es dauern, bis die positiven Effekte der Gebühren auch greifen werden? Zahlen die Studenten da nicht in der Anfangsphase drauf, ohne eine sofortige Verbesserung als Gegenleistung zu erhalten? Warum verbessert man nicht erst die Studienbedingungen und fordert dann dafür Gebühren? Würden Sie einer drastischen Mieterhöhung zustimmen, ohne dass Ihr Vermieter dafür auch Ihre Wohnsituation verbessert?

Tatsächlich jedoch sind die Mittel
zweckgebunden zur Verbesserung der Studienbedingungen einzusetzen, kommen
also (von Verlusten durch Verwaltung und Ausfallfonds abgesehen) den
Zahlenden (und den hunderten von den Beitragszahlungen ausgenommenen
Studierenden) zugute.

Hört sich theoretisch gut an - aber wie wird es praktisch umgesetzt? Wie hoch werden die Verwaltungs- und Rückstellungsverluste sein? Was passiert, wenn sich die desolate Finanzlage der Länder, die die Hochschulen ja zum Großteil finanzieren, nicht bessert? Wer garantiert, dass nicht demnächst dafür an anderen Stellen gespart wird und mit den Studiengebühren aufgefangen werden muss, was sonst gar nicht einzusparen gewesen wäre? Klar, die Mittel sind zweckgebunden - aber dann wird halt anderswo gespart. Und sagen Sie nicht, das ginge nicht - anderswo geht es schließlich auch (Beispiel auf einer anderen Ebene: Finanzierung des Brandschutzes durch die Kommune als Pflichtaufgabe, die plötzlich geringer wird, sobald ein Feuerwehrverein (privatrechtlich!) zur Förderung gegründet wird).

Es kamen gestern bereits Ideen seitens der
Studierenden auf, von dem Geld beispielsweise Modellbaumaterial und
Zeichenkarton anzuschaffen, damit sich auch Architekturstudierende ohne
starken finanziellen Hintergrund ihre teuren Modelle und
Präsentationsgrafiken leisten können.

<ironie>Dann sollte man die Studiengebühr wohl besser Kartonfinanzierung nennen!</ironie> Solche Vorschläge sind natürlich nett - aber das kann doch nur ein winziges Detail sein! Schon allein die Vorgehensweise an sich ist merkwürdig! Da wird die Einführung von Studiengebühren beschlossen, ohne dass man weiß, was man damit machen will. Liegt von Seiten der FH schon ein Konzept vor, wie die Mittel konkret eingesetzt werden sollen? Wie sieht der Zeitplan aus? Ich finde zumindest auf fh-bochum.de nichts dazu. Ich hoffe, Sie können mich mit besseren Infos versorgen, ansonsten hat das Ganze schon ein bißchen was von "erstmal kassieren und dann mal gucken". Blöderweise geschähe das dann auf dem Rücken der Studis, die eben größtenteils schon genau schauen müssen, wie sie das bißchen verfügbare Kohle verwenden.

Auf der anderen Seite muss sich das
Personal der Hochschule nun mit der neuen Situation abfinden, dass die in
den letzten Jahren unermüdlich als "Kunden" bezeichneten Studierenden
plötzlich "zahlende Kunden" werden, die ganz naturgemäß-psychologisch viel
eher bereit sein werden, Leistungen einzufordern.

Herr Vogel! Es gibt lobenswerterweise auch jetzt schon an der FH Bochum Professoren und (Wissenschaftliche) Mitarbeiter, die ihren Job als Dienstleistung sehen - ohne finanziellen Druck. Glauben Sie ernsthaft, dass sich die Kandidaten, die das bisher nicht so gesehen haben, genauso plötzlich, wie der Geldsegen eintritt, vom Saulus zum Paulus wandeln werden und sich plötzlich als Dienstleister am Kunden sehen? Und zwar so zügig, dass auch die ersten zahlenden Studenten noch vor der Abgabe der Diplomarbeit etwas davon haben werden?

Dem Rektor der Uni Bielefeld, möglicherweise weniger
hellseherisch begabt als unsere studentischen Senatsmitglieder, hat seine
Sorge um das Ergebnis (besser gesagt: das, was er angeblich gegen die
Zerstreuung dieser Sorge unternommen hat) ziemlich üble Presse
eingebracht.

Leider fehlen mir auch hier näheres Infos, und der ASTA der Uni Bielefeld ist naturgemäß nicht unparteiisch (Zitat: "Um seine Position zu stärken, hat sich das Rektorat im Vorfeld mit geheimen Treffen, einer widerlichen Pressearbeit und undemokratischen Umgangsformen hervorgetan, um die SenatorInnen unter Druck zu setzen."). Haben Sie nähere Infos?

MfG

Christoph Heitfeld

Keine Kampfabstimmungen und kompensatorischen Kürzungen

Martin Vogel ⌂ @, Dortmund / Bochum, Donnerstag, 27.04.2006, 11:09 (vor 5258 Tagen) @ Christoph Heitfeld

Guten Morgen Herr Heitfeld - hallo Bauforum,

sieht es denn in der Realität aus? Hätten die fünf Studenten denn
überhaupt eine Chance gehabt, das Abstimmungsergebnis zu beeinflussen,

Natürlich. Vor allem, wenn sie sich im Vorfeld der Abstimmung an der Diskussion beteiligt hätten und den einen oder die andere überzeugt hätten, gegen Studienbeiträge zu stimmen. Wie gesagt: ich wundere mich, dass davon ausgegangen wird, dass alle Studierenden zwangsweise gegen Studienbeiträge sein müssen und alle anderen dafür. Für den unwahrscheinlichen Fall einer "Kampfabstimmungen der Statusgruppen" sind die Mehrheitsverhältnisse natürlich festgelegt, aber da an anderen Hochschulen durchaus Gegenstimmen aus den Reihen der Lehrenden kamen, muss der Verzicht auf die eigene Stimme durch 80% der studentischen Mitglieder entweder etwas mit Hellseherei, Demokratiedefiziten oder aber klammheimlicher Zustimmung zu tun gehabt haben.

Warum verbessert man
nicht erst die Studienbedingungen und fordert dann dafür Gebühren?

Genau das geschieht. Da das Land uns endlich einen nennenswerten Anteil der bisher eingenommenen "Langzeitgebühren" überweist, können wir die ersten Projekte jetzt schon vorfinanzieren.

Wie
hoch werden die Verwaltungs- und Rückstellungsverluste sein?

In der bunten Broschüre des Ministeriums werden die Rückstellungen für den Ausfallfonds mit "rund ein fünftel" angegeben. Nach Schätzungen von Verwaltungskennern kann man wohl mit 3% Verwaltungskosten rechnen.

Wer garantiert, dass nicht demnächst
dafür an anderen Stellen gespart wird

Niemand. Die Landesregierung kann ja nur für das garantieren, was in dieser Legislaturperiode (bis Frühjahr 2010) geschieht und zieht sich hinter die Formulierung zurück: "kompensatorische Kürzungen wird es in dieser Legislaturperiode nicht geben".

Da wird die Einführung von Studiengebühren beschlossen,
ohne dass man weiß, was man damit machen will.

Die Prioritätenliste stand im Vorfeld fest. Für die Details müssen sich die Fachbereiche Gedanken machen, da nicht überall so ein hoher Bedarf an Modellbaupappen besteht. Hier ist auch die Fachschaft gefragt, die bisher den Standpunkt vertrat, dass es besser sei, keine Vorschläge zur konkreten Verwendung zu machen, um diese nicht als Zustimmung zur Beitragserhebung interpretiert zu sehen.

Professoren und (Wissenschaftliche) Mitarbeiter, die ihren Job als
Dienstleistung sehen - ohne finanziellen Druck.

Selbstverständlich! Mir ging es auch um die Einstellung der Studierenden, deren Verständnis für die Leistungen sich mutmasslich wandeln wird - auch wenn die 500 Euro pro Semester noch ein gutes Stück von den rund 3000 Euro entfernt sind, die das Studium tatsächlich pro Semester kostet.

Uni Bielefeld

Was genau da im Vorfeld an Versuchen der Beeinflussung des Abstimmungsergebnisses lief, weiß wohl nur der Rektor der Uni Bielefeld. Das Maß der Empörung dort läßt vermuten, dass nicht alles, was der AStA behauptet, aus der Luft gegriffen ist.

--
Dipl.-Ing. Martin Vogel
Leiter des Bauforums

Heute kostenlos: Pythonbuch (PDF)

Senat verabschiedet Studienbeiträge

the converger @, Essen, Montag, 24.04.2006, 20:30 (vor 5261 Tagen) @ Martin Vogel

Der Senat der FH Bochum hat sich heute mit nur einer Gegenstimme für die
Einführung von Studienbeiträgen zum Sommersemester 2007 ausgesprochen.

...war ja wohl nur noch Formsache, oder?

Gruß

--
the converger

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum