Wie man einen bootfähigen Windows-10-USB-Stick erhält (Software)

Martin Vogel ⌂ @, Dortmund / Bochum, Freitag, 04.05.2018, 14:48 (vor 142 Tagen)

Wer sich seine Windows-Installation zerstört hat, zum Beispiel, weil ein Microsoft-Update den Rechner unbrauchbar gemacht hat, benötigt mitunter zur Reparatur einen bootfähigen Datenträger, zum Beispiel eine DVD oder einen USB-Stick.

Microsoft bietet dazu sowohl kostenlos herunterladbare ISO-Dateien als auch ein Programm an, das eine solche ISO-Datei auf einen DVD-Rohling oder einen USB-Stick schreiben kann.

Bevor man dann tatsächlich etwas bootfähiges in der Hand hält, muss man einige Fehlinformationen durchschauen und Fehlfunktionen der Microsoft-Werkzeuge umgehen.

Es beginnt damit, dass die ISO-Dateien scheinbar gar nicht zum Download angeboten werden. Die Download-Webseite ist
https://www.microsoft.com/de-de/software-download/windows10ISO

Ruft man diese Seite von einem noch funktionierenden Windows-Rechner aus auf, so behauptet Microsoft, man müsse zuerst ein „Media Creation Tool“ herunterladen und ausführen. Tut man das, wird nicht etwa die ISO-Datei heruntergeladen, sondern das Tool beginnt, den Rechner minutenlang zu untersuchen und für eine Betriebssystemaktualisierung vorzubereiten. Hallo, Herr Doktor, der Patient liegt im Nachbarzimmer! Dieser Rechner hier soll nur die ISO-Datei herunterladen!

Lässt man das Media Creation Tool eine Weile werkeln, lädt es dann tatsächlich eine ISO-Datei herunter. Seltsamerweise ist die aber rund ein Gigabyte kleiner als die normale Downloadversion. Wohlgemerkt handelt es sich dabei um die 64-Bit-Version des Betriebssystems, nicht um die regulär in der Größe angebotene 32-Bit-Version.

Der Witz ist, dass dieselbe Webseite sofort und problemlos die vollständige ISO-Datei zum Download anbietet, wenn man sie mit einem Linux-Browser besucht. Also nehmen Sie einen Linuxrechner und laden die ISO-Datei herunter. Falls Sie keinen Linuxrechner haben, sagen Sie Ihrem Browser halt, dass er Microsoft sagen solle, er liefe unter Linux. Dazu gibt es für Chrome die praktische Erweiterung User-Agent Switcher. Stellen Sie den User-Agent-String auf irgendwas mit Linux um und laden Sie die oben genannte Webseite neu.

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Download: http://klixan.de?P-U

Nun können Sie die ISO-Datei in der gewünschten Variante, zum Beispiel 64 Bit, ohne weitere Belästigungen herunterladen.

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Als nächstes geht es darum, die ISO-Datei auf einen USB-Stick zu schreiben. Dieser sollte eine Kapazität von 8 GB oder mehr haben, da die ISO-Datei 4,7 GB groß ist. Sie ist übrigens auch zu groß für einen DVD-Rohling. Angeblich funktionieren laut Microsoft doppellagige DVD-Rohlinge, aber die teuren Dinger gibt es üblicherweise nicht im Supermarkt an der Kasse.

Microsoft bietet ein Programm an, mit dem sich ISO-Dateien auf einen DVD-Rohling oder USB-Stick schreiben lassen. Es heißt irreführenderweise „Windows USB/DVD Download Tool“, lädt aber nichts herunter, sondern schreibt eine bereits heruntergeladene ISO-Datei auf einen Datenträger.

Download: http://klixan.de?ZGE

Blöderweise scheitert dieses Meisterstück der Softwaretechnik regelmäßig an dieser Aufgabe. Manchmal ist ein Virenscanner schuld (schalten Sie ihn vorübergehend ab), häufiger jedoch fällt das Programm über seine eigenen Füße. Es behauptet dann, der USB-Stick oder die ISO-Datei seien beschädigt. Tatsächlich ist das Programm nur nicht in der Lage, den USB-Stick ordentlich zu formatieren.

Wie üblich, lässt sich das Dilemma über die Kommandozeile lösen. Tippen Sie kurz die Windowstaste an, drücken Sie die Buchstabenfolge CMD und danach die Tastenkombination Strg-Umschalten-Eingabetaste. Schon haben Sie eine Administrator-Eingabeaufforderung. Dort können Sie das Programm DISKPART starten, mit dem Sie nicht nur Ihre Festplatten unbrauchbar machen können, sondern auch einen USB-Stick so aufbereiten können, dass das „Windows USB/DVD Download Tool“ ihn ohne irreführende Fehlermeldungen beschreiben kann.

Falls Sie sich vertippen, löscht DISKPART Ihre Festplatte ohne weitere Rückfrage, also seien Sie ein bisschen vorsichtig.

Der erste Befehl ist noch harmlos. Sobald der Prompt „DISKPART>“ erscheint, tippen Sie „list disk“ ein. Sie erhalten dann eine Tabelle der Laufwerke. „Datenträger 0“ ist vermutlich Ihre Festplatte und der letzte Eintrag ist vermutlich Ihr USB-Stick. Sie erkennen ihn an der Größenangabe. Verwechseln Sie nicht Megabyte (MB) und Gigabyte (GB)!

Wenn Sie sich absolut ganz sicher sind, dass Ihr zu löschender USB-Stick aufgeführt wird, wählen Sie die Nummer hinter „Datenträger“ aus. Im Beispiel unten ist der 8-GB-USB-Stick als „Datenträger 2“ mit 7681 MB aufgeführt, daher erfolgt die Auswahl hier mit „select disk 2“.

Wenn Sie sich nicht vollkommen sicher sind, nicht versehentlich eine Festplatte ausgewählt zu haben, brechen Sie hier ab, ansonsten können Sie jetzt mit „clean“ den USB-Stick von seinen Partitionsdaten befreien, anschließend mit „create part prim“ eine neue primäre Partition anlegen, diese mit „select part 1“ auswählen und mit „act“ als aktive Partition markieren. Nun bekommt die Partition noch ein Dateisystem – „format quick fs=fat32“ – und einen Laufwerksbuchstaben – „assign“ – und das wars dann auch schon. Mit „exit“ verlassen Sie das gefährliche Werkzeug DISKPART wieder.

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Nun ist auch endlich das „Windows USB/DVD Download Tool“ in der Lage, die ISO-Datei auf den so abenteuerlich vorbereiteten USB-Stick zu schreiben. Das dauert einige Minuten und anschließend kann endlich der zu behandelnde Windowsrechner vom USB-Stick gebootet und hoffentlich auch wieder repariert werden.

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Dipl.-Ing. Martin Vogel
Leiter des Bauforums

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Tags:
Microsoft, Kafka, Frickelware



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