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Ermittlungsverfahren 230 Js 413/10 Sta Stuttgart (Firlefanz)

verfasst von Martin Vogel Homepage E-Mail, Dortmund / Bochum, 19.10.2010, 09:28 Uhr

Ich muss unbedingt mal eine besonders unverschämte Phishing-Mail vorstellen, die mich gerade erreichte. Sie hat es durch alle Spamfilter geschafft, weil sie ungewöhnlicherweise in beinahe korrektem Deutsch verfasst wurde. Das einzige Indiz für eine international agierende Betrügerbande ist das völlige Fehlen von Umlauten in der Mail. Weil ich annehme, dass es viele E-Mail-Empfängerinnen und -Empfänger gibt, die auf diesen massiven Betrugsversuch hereinfallen könnten, setze ich die Mail hier einmal (mit absichtlich unklickbar gemachten Links) ins Web. Zu den genannten Namen und Firmenadressen siehe die Erläuterungen am Ende dieses Eintrags!

Hier die Mail:
------------- Zitat Anfang ------------
Guten Tag,

in obiger Angelegenheit zeigen wir die anwaltliche Vertretung und Interessenwahrung der Firma Videorama GmbH,
Munchener Str. 63, 45145 Essen, an.

Gegenstand unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluss aus im sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk
begangene Urheberrechtsverletzung an Werken unseres Mandanten. Unser Mandant ist Inhaber der ausschliesslichen
Nutzungs- und Verwertungsrechte im Sinne der §§ 15ff UrhG bzw. § 31 UrhG an diesen Werken, bei denen es sich um
geschutzte Werke nach § 2 Abs 1 Nr. 1 UrhG handelt.

Durch das Herunterladen urherberrechtlich geschutzer Werke haben sie sich laut § 106 Abs 1 UrhG i.V. mit
§§ 15,17,19 Abs. 2 pp UrhG nachweislich strafbar gemacht.
Bei ihrem Internetanschluss sind mehrere Downloads von musikalischen Werken dokumentiert worden.

Aufgrund dieser Daten wurde bei der zustandigen Staatsanwaltschaft am Firmensitz unseres Mandanten Strafanzeige
gegen Sie gestellt.

Aktenzeichen: 230 Js 413/10 Sta Stuttgart

Ihre IP Adresse zum Tatzeitpunkt: 84.190.31.155

Illegal heruntergeladene musikalische Stucke (mp3): 13

Illegal hochgeladene musikalische Stucke (mp3): 21

Wie Sie vielleicht schon aus den Medien mitbekommen haben, werden heutzutage Urheberrechtverletzungen
erfolgreich vor Gerichten verteidigt, was in der Regel zu einer hohen Geldstrafe sowie Gerichtskosten fuhrt.
Link: Urheberrecht: Magdeburger muss 3000 Euro Schadensersatz zahlen

Genau aus diesem Grund unterbreitet unsere Kanzlei ihnen nun folgendes Angebot:
Um weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und anderen offiziellen Unannehmlichkeiten wie Hausdurchsuchungen,
Gerichtsterminen aus dem Weg zu gehen, gestatten wir ihnen den Schadensersatzanspruch unseres Mandanten
aussergerichtlich zu loesen.
Wir bitten Sie deshalb den Schadensersatzanspruch von 100 Euro bis zum 22.10.2010 sicher und unkompliziert
mit einer UKASH-Karte zu bezahlen. Eine Ukash ist die sicherste Bezahlmethode im Internet und
fur Jedermann anonym an Tankstellen, Kiosken etc. zu erwerben.
Weitere Informationen zum Ukash-Verfahren erhalten Sie unter: http://www.ukash.com/de
Senden Sie uns den 19-stelligen Pin-Code der 100 Euro Ukash an folgende E-Mailadresse videorama@rechtsanwalt-giese.info

* alternativ konnen Sie auch mit Paysafecard zahlen
Link: http://www.paysafecard.com/de

Geben Sie bei Ihre Zahlung bitte ihr Aktenzeichen an!

Sollten sie diesen Bezahlvorgang ablehnen bzw. wir bis zur angesetzten Frist keinen 19- stelligen
Ukash PIN-Code im Wert von 100 Euro erhalten haben(oder gleichwertiges Paysafecard Coupon), wird der Schadensersatzanspruch offiziell
aufrecht erhalten und das Ermittlungsverfahren mit allen Konsequenzen wird eingeleitet. Sie erhalten
dieses Schreiben daraufhin nochmals auf dem normalen Postweg.

Hochachtungsvoll,
Rechtsanwalt Florian Giese
------------- Zitat Ende --------------

Ganz schön frech!

Erläuterung zu den verwendeten Namen und Adressen: Der Name des Rechtsanwalts Florian Giese wurde in der Mail mißbräuchlich verwendet. Dieser hat mit der anonym registrierten Domain rechtsanwalt-giese.info nichts zu tun. Auch die Firma Videorama hat nie so eine Aktion in Auftrag gegeben. Nachzulesen ist das auf der echten Webseite des Hamburger Anwalts: http://www.rechtsanwalt-giese.de/

Es geht den Betrügern mutmaßlich einzig darum, dass auf die beiden Links in der Mail geklickt wird, wo vermutlich Kontoinformationen abgefragt werden und die entsprechenden Summen an die anonymen Empfänger überwiesen werden.

--
Dipl.-Ing. Martin Vogel
Leiter des Bauforums

Heute schon programmiert? Einführung in Python 3 (PDF)

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